La sonnambula

  • Ich gebe zu, dass Bellini nicht unbedingt zu meinen Lieblingskomponisten gehört, ich ihn aber auch nicht ablehne, weil ich von der Qualität seiner strömenden Ideen überzeugt bin. Die Stories sind mir dann allerdings doch ein wenig zu flach, zur Identifizierung mit somnambulen Frauen reicht es bei mir immer noch nicht :D . Vorurteilsfrei bin ich also gestern in der Vorstellung von La sonnambula gewesen, weil ich auch Jossi Wielers Inszenierung sehen wollte, von der ich, um es gleich vorwegzunehmen, völlig überzeugt bin. Was er da an doppelten Böden in Tragik und Witz auf die Bühne bringt, ist sehr gut beobachtet, die spießige Stimmung einer Schweiz in den 50ern ist komplett überzeugend inszeniert, ebenso wie der Raum Anna Viebrocks, die auch die bei ihr übliche Tapete nicht vermissen ließ. Kommen wir also zur musikalischen Seite und zu den leicht zwiespältigen Eindrücken. Stephan Zilias Dirigat gefiel mir ganz gut, ich hab aber auch nicht so sehr drauf geachtet, ob das, was da aus dem Graben kam, immer stimmig war, da ich mehr mit Bühne und Sängern zu tun hatte, dort vor allem natürlich mit den beiden Hauptfiguren. Venera Gimadieva sang eigentlich die ganze Zeit mit angezogener Handbremse, im Gegenteil dazu ihr tenoraler Partner Lawrence Braunlee, eine Art Haudrauf, der frei von Differenzierung mit seiner montononen Stimmfarbe ohne große Gefühle dem Affen Zucker gab. Und da das Publikum Lautstärke mag, gab es auch hier großen Applaus für jeden Wimpernschlag. Der letztlich einzige Hit der Oper, wenn überhaupt, Aminas Schlussarie, war okay, wenn ich nicht den furchtbaren Fehler gemacht hätte, nur einen Tag vorher Callas in der Rolle zu hören. Nun war alles hin, es fehlte mir an Leichtigkeit und der nötigen Flexibilität in der Stimme. Da die Inszenierung dem Paar keine glückliche Zukunft überlässt, kann man dieses Zögerliche im Gesang noch in die entsprechende Richtung deuten, aber das wäre wahrscheinlich ein großer Fehler. Warum sollte eine Sängerin nicht zeigen, was sie wirklich kann? Alexandra Hutton gab eine spielfreudige Lisa, der komische Mittelpunkt der Inszenierung, gesanglich kam sie an ihre Grenzen. Helene Schneidermann als Teresa stellte ich mir in anderen Rollen großartig vor, hätte gerne mehr von ihr gehört. Die Bässe sangen ordentlich, mehr kann ich dazu nicht sagen. Fazit für mich: Ein schöner Abend, vor allem dank der wirklich agilen Regie, die zauberhafte Ideen mit teilweise bösem Blick auf die Figuren, manchmal auch ironischen Seitenhieben gegen die Musik, verband.

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