Der fliegende Holländer

  • Selten so einen spannenden Holländer gesehen. Manchmal zerreisst es einen fast.

    Musik und Regie sind sehr gut aufeinander abgestimmt.

    Von Beginn des Auftretens aber war mir klar, dass dieses Werk "Der rächende Holländer" heißen müsste. Gespenstische Geschichte, unter Missachtung der Geschichte Wagners und völliger Verdrehung des Charakters der Person des Holländers und vieler Textvorgaben, vor allem die Texte, in denen es um Schiffe geht, gehen natürlich ins Leere. Manche Textstellen allerdings bekommen eine beklemmende Tiefendimension durch die Neudeutung, vor allem an Dalands Esstisch. Mary als Mutter Sentas; Spinnen als Chiffre für Singen in einer Chorprobe: das sind Ideen, die dem Kern nichts nehmen. Nicht überzeugend: der Chor des Holländer als pure Angstimagination der Männer Dalands.

    Was für eine Senta! Ein junges Mädchen unserer Zeit, zwischen Opposition und Selbstfindung und als Opfer von Umständen, die sie nicht zu verantworten hat. Mehrdeutig könnte man die Oper "Sentas Opfer" nennen. Der Schluss allerdings ist wenig überzeugend: Der Fliegende Brandstifter und die rettende Mary!

    So viel als erste Gedanken!

  • Für mich am eindrucksvollsten: Grigorian durchbricht die Wagner-Singerei und bringt dadurch und mit ihrem Schauspieltalent eine lebendige junge Frau auf die Bühne.

  • Zeppenfeld und Grigorian waren überragend. Und das Debut der ersten Dirigentin darf man als äußerst gelungen ansehen.

  • Sie war Assistentin von Petrenko ehe sie nach Graz ging. Nora Schmid wird sie bestimmt in Dresden gut einsetzen!

  • Zeppenfeld und Grigorian waren überragend. Und das Debut der ersten Dirigentin darf man als äußerst gelungen ansehen.

    Naja. Das Orchester war doch oft durcheinander und nicht wirklich spannend. Eher kalter Kaffee was da aus dem Graben kam.

  • Das Orchester war doch oft durcheinander und nicht wirklich spannend.

    Manchmal! Oft habe ich das nicht gehört.

    Eher kalter Kaffee was da aus dem Graben kam.

    Was soll "kalter Kaffee" bedeuten? Sie hat sehr nüchtern dirigiert, es wirkte organisch. Dass die Lyrismen eher im Hintergrund blieben, war wohl im Einklang mit der Inszenierung.

  • Das Orchester war doch oft durcheinander und nicht wirklich spannend.

    Manchmal! Oft habe ich das nicht gehört.

    Eher kalter Kaffee was da aus dem Graben kam.

    Was soll "kalter Kaffee" bedeuten? Sie hat sehr nüchtern dirigiert, es wirkte organisch. Dass die Lyrismen eher im Hintergrund blieben, war wohl im Einklang mit der Inszenierung.

    Es war für mich nicht wirklich spannend und hat mich einfach nicht abgeholt. Viel zu sehr auf Sicherheit und sehr mit angezogener Handbremse dirigiert. Daher der kalte Kaffee.

  • Eines ist aber wieder deutlich geworden: ein weiteres Mal habe wir mit einer Regie zu tun, die auf eigene Ideen baut und dem Werk nicht traut. Und um des Überraschungseffektes willen wird selbst dieses eigene "Rache - Konzept" am Ende über den Haufen geworfen. Dass Mary den Holländer umbringt und statt dass die Rache des Holländers auch zum Tod der Senta führt, was wengstens schlüssig gewesen wäre, wirkt platt und erzeugt einen "erkältenden Eindruck". Am Ende steht dann die Mama Mary, zu ihrer verrückten Tochter und erschießt den Rächer. Familienidyll bei verbrannter Stadt. Naja!

  • Für mich am eindrucksvollsten: Grigorian durchbricht die Wagner-Singerei und bringt dadurch und mit ihrem Schauspieltalent eine lebendige junge Frau auf die Bühne.

    👍

  • Selten so einen spannenden Holländer gesehen.

    Tja, lieber Hagen, da muß ich Ihnen ausnahmsweise widersprechen: ich habe überhaupt noch nie einen so langweiligen "Holländer" gesehen. Wenn das Ganze als Verarsche gedacht ist, dann ist es hervorragend gelungen. Es stimmte doch nichts, aber auch gar nichts von dem, was auf der Bühne geschah, mit dem Text überein. Senta als überdrehter Teenager, die sich ständig kaputt lacht, hat sich Wagner seine Senta so gedacht?

    Das wunderschöne Duett Senta/Holländer: völlig kaputt gemacht, durch die Anwesenheit von Sentas "Eltern". Von wegen, "am besten laß ich sie allein"!

    Ich könnte ewig so weitermachen, aber das ist mir die Zeit nicht wert. Ich frage mich nur: ist den Bayreuth-Aficionados jetzt jegliches klare Urteil abhanden gekommen, diese Aufführung derartig zu akklamieren? Es war ja nicht mal musikalisch bayreuthwürdig. Z.B. habe ich noch nie so einen schlechten Erik gehört wie Eric Cutler. Da hatten wir in München öfter - man denke! - Peter Seiffert.

    Der konnte ja keine einzige Phrase auf Linie singen. Den hohen Ton bei "Liebe" hat er sich sicherheitshalber gleich ganz gespart. Und Asmik Grigorian: das überdrehte Spiel ist natürlich Tcherniakov geschuldet, hat aber nichts mit Wagners Senta zu tun. Stimmlich war sie mir zu spitz und zu schrill. Leider habe ich noch den warmen, runden Gesang von Anja Kampe im Ohr, die nie schrie wie Grigorian. Das tat sie, weil sie stimmlich schlicht überfordert war. Aber Schreien wird ja oft belohnt. Und John Lundgren als Mafia-Boß brüllte weitgehend durch. Wo blieben - bei beiden! - die schönen Pianostellen des Duetts? Am besten war - wie so oft - Georg Zeppenfeld. Das Dirigat ging in Ordnung, mehr aber auch nicht. Etwas besonderes konnte ich auch da nicht erkennen.

    Niemals würde ich für diese Produktion nach Bayreuth fahren. Und ich werde auch sicher nicht mehr an unsererer Münchner Konwitschny-Inszenierung herummeckern. 8o

    Das einzige Plus dieser Produktion gegenüber unserer Münchner: der Verklärungsschluß. Aber der reißt den Rest auch nicht mehr raus.

    Tut mir leid, aber es gefiel mir und meinem Mann überhaupt nicht.

  • Die Kritikerrunde äußert sich gerade sehr kritisch über die Hygienebedingungen. Von Polizeistaat war die Rede und dass man wohl als Kunde nicht König ist.

  • Tja, lieber Hagen, da muß ich Ihnen ausnahmsweise widersprechen: ich habe überhaupt noch nie einen so langweiligen "Holländer" gesehen.

    Als gelernter und gereifter Bayreuth - Besucher ist man doch immer geneigt, das Beste in allem zu sehen. ;)

  • Die Kritikerrunde wurde übrigens von der sehr sympathischen und hochkompetenten Antionia Goldhammer geleitet. Sie hat damals ein großartiges Buch über den Herheim - "Parsifal" und seine Metatheatralität geschrieben. Schön zu sehen, dass auch mal richtig gute Leute im Radio!